Ansprechpartner für die Kommunen

In Angelegenheiten der Kindertagesstätten (KiTas) arbeiten Kirchengemeinden und Kommunen zusammen. Nicht immer läuft das ideal, weil z.B. kostenintensive Doppelstrukturen erhalten werden müssen oder, - wegen für die jeweils andere Seite undurchsichtiger Dienstwege und Entscheidungs-Hierarchien, - Planungen und Kalkulationen sehr unsicher sind. Kirche-vor-Ort soll auch da eine Hilfe sein und auch den Kommunen einen Schritt entgegenkommen.

 

Sie fragen sich, wer die KiTa betreibt, wem sie gehört, wer sie bezahlt und wer das Sagen hat?

In der Regel sind unsere kirchlichen KiTas in Trägerschaft der jeweiligen Kirchengemeinde. 

Die Kirche(ngemeinde) gilt als „freier Träger“, dem aufgrund des Subsidiaritätsprinzip der Vorrang als Träger einer pädagogischen Einrichtung zu geben ist. Dass heute so viele Kindergärten der Region in kirchlicher Hand sind, hat historische Gründe. Die Kirchengemeinden erkannten den Bedarf und handelten vor anderen Organisationen, auch weil sie sich als wichtigen Bildungsträger sahen und sehen.

 

Die Kirchengemeinde betreibt die KiTa und wird dabei durch den Kirchenvorstand vertreten. Die Dienstaufsicht führt der Pfarrer. Die Gebäude, in denen die KiTas untergebracht sind, gehören bei uns auf dem Land meist der Kommune, in den großen Städten dagegen meist der Kirche.

 

Die Kosten des KiTa-Betriebes werden im Gebiet der EKHN zu 85-90% von der Kommune und zu 10-15% von der Kirche getragen. Das heißt: in der Tat ist es die Kommune, die den größten Teil der Kosten zahlt.

 

Oft wird das kritisiert: „Die Kirche gibt ja nur 10-15% dazu, will dann aber alles bestimmen“.
Wir halten das für zu kurzsichtig gedacht und auch unfair. Wir regen bei der Beurteilung einen Perspektivenwechel an:
Der Gesetzgeber hat der Kommune die Aufgabe übertragen, ausreichend geeignete KiTa-Plätze bereit zu halten. Sie erhält dazu Zuweisungen aus Steuermitteln, die die Steuerzahler erbracht haben und kann Gebühren zur Finanzierung erheben (was Eltern zahlen müssen, legt die Kommune fest). Wo möglich soll die Kommune die Trägerschaft an freie Träger delegieren, um möglichst viele Gruppen und Institutionen an der Gestaltung der Gesellschaft und der Bildung der Menschen zu beteiligen. Diese Subsidarität ist vom Gesetzgeber ausdrücklich gewollt. Das entbindet die Kommunen aber nicht von der Pflicht die Kinderbetreuung zu finanzieren.

 

Im Falle einer kirchlichen Trägerschaft der Kita "kauft" sich die Kommune bei der Kirchengemeinde als freiem Träger die „Dienstleistung KiTa-Betrieb“ ein, so wie sie das auch bei vielen anderen freien Trägern der Wohlfahrt (in unserer Region z.B. das DRK), bei Elternvereinen oder auch  Privatunternehmen macht. Anders als andere Träger beteiligt sich die Kirche jedoch mit 10-15% an den Kosten. Sie gewährt den Kommunen also quasi 10-15% Rabatt.

 

Gerade in Ballungszentren, in denen Grundstücke sehr teuer sind, stellen die Kirchengemeinden den Kommunen oft eigene Grundstücke und Gebäude kostenlos oder gegen günstige Miete zur Verfügung, außerdem zum große Teil unentgeltlich die gesamte kircheneigene Infrastruktur, die insbesondere die Qualität der Arbeit in den KiTas erhöhen soll.

 

Rechtlicher Vertreter der KiTa ist der Kirchenvorstand, der zusammen mit dem Kindergartenausschuss (in dem auch die pädagogische KiTa-Leitung, Eltern, Mitarbeiter und kommunale Vertreter sitzen) das pädagogische Konzept und die finanzielle Ausstattung (nach Vorgaben von Land und Kirche) berät und dann beschließt.

 

Das pädagogische Konzept einer KiTa folgt zum einen den Qualitätsstandards des Landes, zum anderen den sehr viel höheren Qualitätsstandards der Kirche. Eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, regionalen Grundschulen und Jugendamt ist dabei obligatorisch.

 

Sie fragen sich, warum nicht der bestimmt der zahlt?

Oft wird ja kritisiert, dass die kommunalen Vertreter zu wenig Mitspracherecht bei Finanzplanung, Personalauswahl und pädagogischer Konzeption der KiTa haben. Sie gehen bei ihrem Urteil aber von Handlungsspielräumen aus, die es so gar nicht gibt. Auch kommunale Parlamente könnten bei den meisten Entscheidungen, die getroffen werden müssen, nicht anders entscheiden als die Kirchenvorstände. Außerdem hat in der EKHN die Kommune über den Kindergartenausschuss ein gewichtiges Mitspracherecht, neben den Eltern und dem Kirchenvorstand. 


Bei Finanz und Personalplanung und pädagogischer Konzeption müssen auch kirchliche Kindergärten sich an die Vorgaben anderer halten, - des Bundes, des Landes, der Regierungspräsidien, Schulämter, Kreisjugendämter, Gesundheitsämter etc. Unser Spielraum ist da genauso eng, wie er auch für die Kommune wäre, wenn sie den Kindergarten eigenständig betriebe. Auch dann könnten kommunale Vertreter nicht schalten und walten, wie sie wollten und müssten sich an Vorgaben und Richtlinien halten.

Bei der Personalauswahl haben Eltern, Kommune und Kirchengemeinde über den Kindergartenausschuss ein Mitbestimmungsrecht. Dabei ist unser aller Interesse das Wohlergehen und die Förderung der Kinder.

Natürlich gilt bei der Einstellung von Personal kirchliches Arbeitsrecht, d.h. der Anzustellende muss einer Kirche angehören, die in der ACK vertreten ist. Es gibt wenige begründete Ausnahmefälle.  

 

In den Bereichen, in denen Parität und Beteiligung möglich sind, fordern die kirchlichen Vorgaben und Regelungen in der EKHN sogar die Einbeziehung von kommunalen Vertretern und Eltern, - und zwar nach dem für alle Bereiche der EKHN geltenden basisdemokratischen Prinzip.

 

Im Übrigen steht es jedem kommunalen Vertreter frei, sich – sofern er Kirchenmitglied ist – innerhalb seiner Kirchengemeinde zu engagieren und so zusätzlich Einfluss auf die KiTa-Trägerschaft auszuüben und auf die Kirchenpolitik insgesamt.

 

Wir verstehen uns als Kirchengemeinden eben nicht als Gegenüber unserer Kommunen, – und damit in Konfrontation zu ihr -, sondern wir sehen uns als ein Bereich mittendrin, als Kirche vor Ort. Wir haben immer die Menschen im näheren Umfeld im Blick und ihre Bedürfnisse und versuchen zu Ihrem Wohl zu handeln. Wir setzen aber mitunter andere Prioritäten als Kommunen, so kann uns z.B. der Anbau an der KiTa wichtiger vorkommen, als der Anbau an der Grillhütte und die Renovierung des Spielplatzes wichtiger als geteerte Feldwege.

 

Außerdem wird gerne vergessen, dass wegen der prozentualen Beteiligung wenn die Kosten des Betriebes der KiTa steigen auch die Kosten für die Kirche steigen. Auch für die Kirche sind kleine Kindergärten "teuer". 

Sie sind uns teuer! Deshalb halten wir an ihnen fest. Wir erfahren immer wieder, dass unsere übergeordneten kirchlichen Stellen in Darmstadt oder Frankfurt sehr flexibel auf individuelle Wünsche in unserer Region eingehen, so dass wir immer noch eingruppige KiTas betreiben dürfen. Für viele andere freie Träger, gerade wenn sie Kindergärten nicht unter gemeinnützigen (wie DRK oder AWO, die auch „mittendrin“ sind) sondern unter kommerziellen Gesichtspunkten, als Wirtschaftsunternehmen, betreiben, gilt das nicht.
Natürlich gibt es auch im kirchlichen Bereich Grenzen der Flexibilität, meist durch Vorgaben des Gesetzgebers oder fehlende Finanzmittel, die auch uns die Hände binden.

 

Sie fragen sich, warum den Kirchengemeinden die Kindergärten so wichtig sind?

Wir verstehen uns als Kirche und als Kirchengemeinden als Bildungs- und Kulturträger. Die EKHN betreibt ja nicht nur KiTas, sondern auch Schulen, Fachschulen und Fachhochschulen, diverse Einrichtungen der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung, Museen, historische Denkmäler, Bibliotheken. Wir haben seit der Reformation, seit 500 Jahren, ein hohes Interesse an und eine hohe Kompetenz bei der Förderung und Bildung der Menschen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen und Eltern. Deshalb haben wir auch höchste Ansprüche an die fachliche und menschliche Qualifikation unserer pädagogischen Mitarbeiter.

Regelmäßige Fort- und Weiterbildung des Personals sind uns wichtig. Dabei folgen wir den sehr hohen Standards kirchlicher Bildung, die bei uns eben nicht als Kostenfaktor sondern als Investition in die Zukunft gesehen werden.

 

 

Es mag also sein, dass im ländlichen Raum kirchliche Kindergärten ein wenig teurer im Betrieb sind, als kommunale oder die anderer freier Träger (wobei sich das durchs KiFöG inzwischen ausgeglichen hat), für Ballungszentren gilt das durch Synergieeffekte zwischen Kommune und Kirche nicht. Im Rhein-Main-Gebiet gelten gerade kirchliche KiTas als zuverlässig und kostengünstig. Wäre die Kirche so Gewinn orientiert, wie ihr oft unterstellt wird, könnte sie sicher zumindest im Rhein-Main-Gebiet ihre Grundstücke und Gebäude lukrativer einsetzen, als für den Kindergartenbetrieb.

 

Unter dem Stichwort Qualitätsentwicklung EKHN können Sie sich weiter informieren.


Was genau leistet das Kirchenbüro „Kirche vor Ort“ in diesem Bereich?

Unsere Mitarbeiter bei Kirche-vor-Ort sind inzwischen ein geschätzter Ansprechpartner auch für die Kommunen, wenn es um Fragen von KiFöG, Bildungs- und Erziehungsplan (BEP), Qualitätsentwicklung und natürlich um die KiTa-Finanzen geht.

 

Unterstützt werden unsere Mitarbeiter und unsere KiTas durch unser landeskirchliches Zentrum Bildung und das dekanatseigene Projekt Kita3K. Insbesondere bei der Umstellung auf das sehr komplizierte KiFöG und seine Erfordernisse, konnten diese durch ihre Beratung und Fortbildungen relativ früh darauf reagieren und so den Kommunen zuarbeiten, so dass bei uns bisher alles weitestgehend reibungslos verlief.

 

Auch auf diese Weise bringt die Kirche bei KiTas in kirchlicher Trägerschaft sehr viel mehr Ressourcen ein, als die belächelten 15% Eigenanteil am KiTa-Betrieb. Die Kommune Allendorf/Eder hat z.B. die An- und Abmeldung für die regionalen KiTas ganz in die Hände von Kirche-vor-Ort abgegeben, d.h. auch alle strukturellen Planungen (zu vorgehaltenen Plätzen, Personalschlüssel etc.) liegen bei Kirche-vor-Ort. Es besteht die Bereitschaft, das auch für andere Kommunen der Region auszubauen.